Magnus Klaue: Die Antiquiertheit des Sexus. Band 1

Taschenbuch
176 Seiten
2017
3. Auflage, Januar 2022
ISBN 978-3-944503-13-4

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Magnus Klaue

Die Antiquiertheit des Sexus

Band I

Kindheit – Sprache – Geschlecht

Während kommunikative Beziehungshygiene und sexuelles Gesundheitsbewusstsein als Imperative der Selbstdressur verallgemeinert und um ihren fortschrittlichen Gehalt gebracht worden sind, ist der Zusammenhang von Populärkultur und sexueller Libertinage kollektiver Amnesie anheimgefallen. Lieder, Filme, Bücher, Ikonographien, in denen sich einmal die Sehnsucht nach sinnlichem Glück aussprach, erscheinen rückblickend allenfalls putzig, während gleichberechtigt ihre Intimsphäre aushandelnde Sexpartner das Erbe der Sexualpädagogen antreten.
Im Ersinnen von Modellen sexualpolitischer Selbst- und Gegenkontrolle waren die Achtundsechziger enorm erfolgreich. Doch die Phantasien und Sehnsüchte, ohne die die Forderung nach freier Liebe aufs Politische reduziert und damit in ihr Gegenteil verkehrt wird, sind gründlich neutralisiert worden.

Die hier versammelten Texte sind unsystematische, konstellative Versuche, diese Neutralisierung bewusst zu machen und etwas von dem in Erinnerung zu rufen, was durch sie verloren ging. Zwei Motive tragen alle Beiträge: Die Emanzipation der Geschlechter nicht als Befreiung vom Unterschied, sondern als Befreiung des Unterschieds zu begreifen; und das Bemühen, die Erfahrung der Kindheit und ihren reflektierten Ausdruck, dessen nuancierte Form die Sprache ist, als Bedingung der Möglichkeit freier Sinnlichkeit zu verteidigen. Dass die Erfahrung, auf die solche Reflexion sich bezieht, aus objektiven Gründen heute von kaum jemandem mehr gemacht werden kann, trägt bei zum deprimierenden Stand einer Welt, die den Sexus fast nur als abgelegtes Kostüm kennt, das auf dem Dachboden verrottet wie der Geist der Bewohner darunter.

Über den Autor

Magnus Klaue lebt als freier Autor in Leipzig.

»Klaue kann also denken und schreiben, beides Tätigkeiten, deren Beherrschung in der deutschen Linken nicht gerade selbstverständlich ist«
Neues Deutschland, 15.12.2017